Mehr Patientensicherheit durch pharmazeutische Expertise in der Notaufnahme
Hanau, 03. Februar 2026. Klinikum Hanau startet Pilotprojekt „Emergency Department Pharmacist“ zur Reduktion von Medikationsfehlern in der Notaufnahme
Jeder Besuch in einer Notaufnahme ist für Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen eine Ausnahmesituation: Schmerzen, Sorgen um die eigene Gesundheit oder die eines Angehörigen. Ärzte und Ärztinnen müssen in Akutsituationen schnelle Entscheidungen zur Akuttherapie treffen. Zudem ist oft eine Anpassung oder Erweiterung der bisherigen Medikation erforderlich. Das Klinikum Hanau geht hier jetzt neue Wege – mit der Einführung einer speziell geschulten Apothekerin direkt in der Zentralen Notaufnahme. Bianca Partheymüller unterstützt als Emergency Department Pharmacist (EDP) das interprofessionelle Team der Notaufnahme. Sie überprüft Medikamente von Patientinnen und Patienten noch bevor sie ins Krankenhausbett kommen. Dieses bislang seltene Modell in Deutschland hat ein Ziel: die Arzneimitteltherapie noch sicherer zu gestalten und so die Versorgung der Patienten in kritischen Momenten spürbar zu verbessern.
Rund 5–10 Prozent aller Krankenhauseinweisungen in Deutschland sind auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen. Daher ist es wichtig, diese schon frühzeitig im Behandlungsprozess zu erkennen. Eine Apothekerin in der Notaufnahme kann hier gezielt ansetzen: Sie erhebt eine strukturierte Arzneimittelanamnese, überprüft Wechselwirkungen und Dosierungen und stellt den behandelnden Ärztinnen und Ärzten sowie der Pflege fundierte Empfehlungen für eine sichere stationäre Weiterbehandlung zur Verfügung.
„Unser Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Arzneimitteltherapie für unsere Patientinnen und Patienten noch sicherer zu gestalten“, erklärt Apothekerin Bianca Partheymüller. „Gerade ältere oder multimorbide Patienten profitieren davon, wenn ihre Medikation schon in der Notaufnahme pharmazeutisch überprüft wird.“ Das Projekt wird im Rahmen einer zweijährigen Förderung der Stiftung Patient & Klinische Pharmazie umgesetzt. Neben dem Klinikum Hanau nehmen zwei weitere Häuser teil – das Schwarzwald-Baar-Klinikum Villingen-Schwenningen und das Klinikum Emden/Aurich.
Mehr Effizienz – weniger Risiko
Durch die feste Integration einer Apothekerin in die Abläufe der ZNA können konstant viele strukturierte Arzneimittelanamnesen durchgeführt werden. Bis zu 20 Patientinnen und Patienten können so pro Tag betreut werden. Ärztliches und pflegerisches Personal werden spürbar entlastet und können den Fokus ganz auf die Behandlung legen. „Mit diesem Projekt setzen wir ein starkes Zeichen für Qualität und Sicherheit in der Notfallversorgung“, betont Geschäftsführer Stefan Gröger. „Die Einführung des EDP ist ein wichtiger Schritt, um unsere pharmazeutische Kompetenz noch enger in die klinische Praxis einzubinden.“


