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Klinikum Hanau stärkt Herzmedizin mit weltweit dünnster Defibrillationselektrode

Das Team der Kardiologie unter der Leitung von PD Dr. med. Christof Weinbrenner (in der Mitte) freut sich über den ersten erfolgreichen Eingriff mit der weltweit dünnsten Defibrillationselektrode.

Hanau, 6. August 2026. Wenn das Herz plötzlich aus dem Takt gerät, ist jede Minute entscheidend. Bei gefährlichen Herzrhythmusstörungen, die im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen können, wird deshalb häufig ein Kardioverter-Defibrillator (ICD) implantiert. ICD-Systeme überwachen den Herzrhythmus rund um die Uhr und können im Notfall über eine Elektrode, die mit dem Herzen verbunden ist, elektrische Impulse oder einen Defibrillationsschock abgeben. Im Herzkatheterlabor des Klinikums Hanau wurde jetzt erstmals die dünnste Defibrillationselektrode der Welt in einem minimalinvasiven Eingriff eingesetzt. Mit dieser Premiere stärkt das Team die moderne Behandlung gefährlicher Herzrhythmusstörungen in Hanau und eröffnet Patientinnen und Patienten mit implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) neue Perspektiven.

Die Neuentwicklung hat einen Durchmesser von nur 1,6 Millimetern und ist damit rund zwei Drittel schlanker als bisherige Elektroden. Dadurch benötigt sie weniger Platz im Herzen, kann Eingriffe erleichtern und das Risiko späterer Komplikationen verringern. Zudem eröffnet sie neue Perspektiven, moderne Schrittmachertechniken künftig stärker mit der Defibrillator-Therapie zu verbinden. Jeder Defibrillator mit im Herzen implantierten Elektroden kann zugleich, neben der Aufgabe, bösartige Herzrhythmusstörungen zu erkennen und gezielt zu behandeln, auch als Schrittmacher dienen, wenn dies im Krankheitsverlauf erforderlich wird.  Insbesondere in den letzten Jahren ist es Ziel der Schrittmachertherapie, durch die gezielte Stimulation des Reizleitungssystems des Herzens eine möglichst natürliche Herzaktivierung zu ermöglichen. Diese Therapieform ist am Klinikum Hanau mittlerweile als Standard etabliert, bereits 300 Patientinnen und Patienten haben von ihr profitiert. Die umfassende Erfahrung des Teams positioniert die Klinik deutschlandweit an der Spitze der modernen Schrittmachertherapie. Die neuartige Defibrillationselektrode bietet dem Team in Zukunft die Möglichkeit, diese moderne Stimulationsart auch in den Bereich der Defibrillatoren zu übertragen, sie ist als erste ihrer Art für diese Form der direkten Stimulation zugelassen.

PD Dr. med. Christof Weinbrenner, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Nephrologie und internistische Intensivmedizin, sieht darin einen wichtigen Fortschritt für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit komplexen Herzrhythmusstörungen: „Die dünnere Elektrode kann Eingriffe schonender machen und gibt uns zusätzliche Möglichkeiten für eine individuell abgestimmte Therapie. Wir freuen uns, unseren Patientinnen und Patienten diese hochmoderne Behandlungsmöglichkeit hier in Hanau anbieten zu können.“

Jedes Jahr sterben in Deutschland schätzungsweise 65.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Auslöser ist meistens eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, der häufig eine koronare Herzkrankheit (KHK) zugrunde liegt. Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen oder erhöhte Cholesterinwerte können die Herzkranzgefäße verengen und die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels beeinträchtigen. 

Mit dem Einsatz der neuen Elektrode baut die Kardiologie des Klinikums Hanau ihr Angebot für Patientinnen und Patienten mit schweren Herzrhythmusstörungen weiter aus und setzt ein sichtbares Zeichen für spezialisierte Herzmedizin in der Region. Im Herzkatheterlabor werden jährlich rund 350 Herzschrittmacher und Defibrillatoren implantiert. Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen zählt damit zu den etablierten Schwerpunkten der kardiologischen Versorgung am Klinikum Hanau.