Jahrespressekonferenz 2017

Einleitung

Das Jahr 2017 war für das Klinikum Hanau ein erfolgreiches Jahr. Das im Jahr 2016 erreichte hohe Leistungsniveau konnte auch in 2017 bestätigt werden, so dass, insbesondere aus wirtschaftlicher Sicht, der eingeschlagene Erfolgskurs fortgesetzt werden konnte. Mit 1,22 Mio. Euro liegt das erreichte Jahresergebnis 2017 um ca. 1 Mio. Euro über dem des Vorjahres und noch deutlicher über dem geplanten Ergebnis in Höhe einer „roten Null“. Oberbürgermeister Claus Kaminsky freut sich über die positive Entwicklung: „Das Vorhaben, unser Klinikum in kommunaler Trägerschaft zu halten, erfordert auch schwarze Zahlen. Ich gratuliere und danke allen, die dabei geholfen haben, dieses Ergebnis zu erreichen.“

Neben der Stabilisierung des hohen Leistungsniveaus in fast allen Fachabteilungen, konnte im November vergangenen Jahres das schon in 2014 geplante Parkhaus mit Baukosten in Höhe von 4,7 Mio. Euro in Betrieb genommen werden. Damit wurde neben einem verbesserten Parkplatzangebot für Patienten und Angehörige auch die prekäre Verkehrssituation um die Zufahrt zum Besucherparkplatz in der Leimenstraße endlich entschärft.

Im August vergangenen Jahres wurde in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat unter dem Projektnamen „Klinikum 20/30“ eine Gesamtüberplanung des Klinikstandortes Hanau aus baulich struktureller Sicht in Auftrag gegeben. Das Ergebnis wird Mitte 2018 erwartet und soll ein zukunftsweisendes Bild des Klinikums zeichnen, das in Abschnitten umgesetzt werden soll. Herzstück wird dabei ein neu zu errichtendes Eltern-Kind-Zentrum sein. Die Finanzierungsmöglichkeiten werden den Umfang der Maßnahmen und deren Umsetzungszeitraum mitbestimmen.

Geschäftsführer Volkmar Bölke sieht in dem Projekt eine wichtige zukunftsweisende Maßnahme, die der positiven wirtschaftlichen Entwicklung des Klinikums folgen muss. „Alle setzen sich hier für das Klinikum und unsere Patienten ein und identifizieren sich mit der Stadt und dem Träger. Mit der auch baulichen Weiterentwicklung unseres Klinikstandortes wollen wir die Versorgung unserer Bürger auf höchstem Niveau sicherstellen.“

Leistungsentwicklung

Auch im abgelaufenen Jahr 2017 betrug die Zahl der stationär behandelten Patienten wieder fast 35.000 und lag damit um knapp 650 unter der Zahl des Vorjahres. Der Casemix-Index, also der Behandlungsschweregrad der stationär versorgten Patienten, stieg gegenüber dem Vorjahr um knapp 1,7% an, d.h., dass Patienten mit komplexeren Krankheitsbildern im Klinikum stationär behandelt wurden. Daraus ergibt sich eine Summe von etwas über 31.100 erlösrelevanten Relativgewichten (Casemix-Punkte, kurz: CM-Punkte). Etwa 90 weniger als im Vorjahr, das als Schaltjahr auch einen Arbeitstag mehr hatte. Mit einer Auslastung von im Jahresdurchschnitt über 82% im stationären Bereich bewegt man sich auf einem hohen Auslastungsniveau. Die Zahl der ambulant behandelten Patienten in der Zentralen Notaufnahme war dagegen deutlich rückläufig und bewegte sich mit 36.600 Patienten fast 6% unter der Zahl des Vorjahres. Die Bemühungen der Kassenärztlichen Vereinigung und insbesondere des Klinikums selbst, sogenannte Bagatellfälle an die dafür zuständigen niedergelassenen Ärzte zu verweisen, machten sich hier deutlich bemerkbar. Die Zahl der über die Zentrale Notaufnahme stationär aufgenommen Patienten stieg jedoch um ca. 250 gegenüber dem Vorjahr auf über 14.400.

Erfreulicherweise konnten die im Jahr 2016 stark gestiegenen CM-Punkte auch in 2017 in der Summe aller Hauptfachabteilungen durch einen gestiegenen Schweregrad der Patienten leicht gesteigert werden. Diese Fallzahlsteigerung verzeichnete das Klinikum insbesondere in den hochspezialisierten Bereichen bzw. zertifizierten Zentren. Das Darmzentrum und Brustzentrum erfreuten sich vermehrtem Patientenzulauf. Im Zentrum für Adipositaschirurgie unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Peter Langer und Oberarzt Dr. Christoph Kramps wurden mehr als 70 hochgewichtige Patienten operativ versorgt. Das entspricht einer Steigerung von fast 60%. In ähnlichem Maße stieg die Zahl der im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie durchgeführten Thrombektomien. Das von Chefarzt Prof. Dr. Christopher Bangard und seinem Team eingeführte Verfahren zur Behandlung akuter Schlaganfallpatienten wurde über 80 Mal angewandt.

Mit 1.504 Geburten im Jahr 2017 verpasste man in der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe unter der Leitung von Chefarzt PD Dr. Thomas Müller nur knapp die Vorjahreshöchstmarke von 1.522 Geburten. Davon kamen 52 Babys mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm auf die Welt. 32 davon sogar mit einem Geburtsgewicht von unter 1.250 Gramm. Die Abteilung für Neonatologie des Klinikums Hanau, unter der Leitung von Sektionschef Dr. Bernhard Bungert, ist im Rahmen des Level 1 Status der Geburtsklinik als einzige Klinik im Main-Kinzig-Kreis auf die Versorgung von Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1.250 Gramm speziell ausgerichtet und krankenhaus-planerisch beauftragt.

Geschäftsführer Volkmar Bölke: „Wir freuen uns insbesondere über die Entwicklung in der Geburtshilfe und Neonatologie. Es zeugt von großem Vertrauen in die Versorgung durch unsere Mitarbeiter.“

Etwas rückläufig waren dagegen die CM-Punkte der Belegabteilungen, teilweise auch bedingt durch bereits in 2016 eingeleitete Umstrukturierungsmaßnahmen.

Wie erwartet wurde im August des vergangenen Jahres die beantragte Fachabteilung für Psychosomatik durch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) genehmigt. Bis Mitte nächsten Jahres soll eine Abteilung mit 20 stationären Betten und 20 tagesklinischen Plätzen entstehen, in der Menschen mit psychischen Erkrankungen, die somatische Auswirkungen haben (z.B. Essstörungen), versorgt werden. Damit wird das Leistungsspektrum des Klinikums nochmals erweitert.

Personal- und Sachkostenentwicklung

Die Entwicklung der Personalkosten bewegte sich am Jahresende im Rahmen des Planansatzes und 2,5% über den Vorjahreskosten. Die Kostenentwicklung wurde in erster Linie durch Tarifsteigerungen und die am 01.01.2017 in Kraft getretene neue Entgeltordnung beeinflusst, mit der die Pflegeberufe finanziell aufgewertet wurden. Mit durchschnittlich 1.225 betrug die Anzahl der Vollkräfte ca. 14 Vollkräfte weniger als im Durchschnitt des Vorjahres. Stichtagsbezogen waren jedoch zum 31.12.2017 ca. elf Vollkräfte mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres im Klinikum Hanau beschäftigt. 

Während in den patientennahen Bereichen ein verstärkter Einsatz von Leih- und Servicearbeitskräften erfolgte, wurde in den sogenannten Tertiärbereichen (u.a. Verwaltung) weniger Personal eingesetzt. Für die Planung 2018 wird in den patientennahen Bereichen von einer Erhöhung der Vollkräfte ausgegangen.

Die Sachkosten sind im Wesentlichen überproportional zur Entwicklung der Leistung gestiegen. Die größte, aber ergebnisneutrale Steigerung entfällt auf die Arzneien im med. Sachbedarf wegen einer Umstellung der Verbuchung, die alle Krankenhäuser mit eigener Zytostatikaherstellung betrifft.

Instandhaltung, Investitionen, Bau

Die Kosten für die laufende Instandhaltung (5,7 Mio. Euro) liegen mit 630.000 Euro über Vorjahresniveau. Wesentlicher Grund hierfür sind erhöhte Kosten im Bereich Bau, der Instandhaltung der Technik, der Reparatur und Instandhaltung der Medizintechnik, und die Herrichtung der Station H9C, die als Ausweichstation für die in 2018 beginnende Sanierung der restlichen bisher noch unsanierten Stationen H6C bis H11C benötigt wird.

Die Instandhaltungsmaßnahmen sind seit Jahren durch viele Sondermaßnahmen bestimmt, die über die reine Regelinstandhaltung deutlich hinausgehen und teilweise auch durch behördliche Auflagen ausgelöst werden (Brandschutzmaßnahmen, Trinkwasserversorgung, Hygienevorschriften, Sanierung der Lüftungs- und Elektrotechnik, bauliche Sanierung der Tunnelanlage und des Sterillabors). Die Zuweisung an pauschalen Fördermitteln nach § 23 HKHG belief sich auf 5,144 Mio. Euro. Der Anteil der Förderpauschale, der bereits durch langfristige Leasingverträge gebunden ist, betrug im Berichtsjahr 567.000 Euro (Vorjahr: 619.000 Euro). 2017 stand die Modernisierung des medizinischen Geräteparks im Fokus, unter anderem wurde in ein neues ERCP-System, Patientenmonitoring, einen Befundserver, Infusionstechnik und ein Mammomat investiert. Außerdem wurden bereits 2017 Vorbereitungen für die Anschaffung neuer Großgeräte, wie ein 1,5-Tesla MRT und zwei Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie, getroffen. Des Weiteren wurde das Tischsystem in den OP-Sälen 1-4 modernisiert (ca. 60.000 Euro), ein neues Ultraschall-Blutflussmessgerät für den OP zur Verfügung gestellt (ca. 40.000 Euro), ein neues Chirurgiemotorensystem für den OP umgesetzt sowie der Gerätepark im Bereich Hochfrequenz-Chirurgie modernisiert.

Entwicklung der wirtschaftlichen Eckdaten

Der wirtschaftliche Verlauf des vergangenen Jahres war kontinuierlich positiv, so dass das Jahr 2017 erfolgreich mit einem Plus von 1,22 Mio. Euro abgeschlossen werden konnte. Die wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahl EBITDA-Marge (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) konnte von 3,5% auf 3,7% bzw. auf rund 5,9 Mio. Euro um ca. 540 Tausend Euro verbessert werden. Diese Entwicklung soll auch in den kommenden Jahren verstetigt werden, da damit die wichtigste Voraussetzung geschaffen wird, um die anstehenden und zukünftigen Investitionen in die bauliche und gerätetechnische Infrastruktur des Klinikums sicherzustellen und weiterhin eine qualitativ hochwertige Versorgung für die Hanauer Bevölkerung anzubieten.

Ausblick

Die kommenden Jahre sollen vor allen Dingen von der Modernisierung des Klinikstandorts und Investitionen in bauliche Maßnahmen sowie der Neuanschaffung innovativer Technik geprägt sein. Wirtschaftlichkeit und das höchstmögliche Patientenwohl werden dabei stets eine zentrale Rolle einnehmen. Dabei werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine weitere Regulierung des Krankenhausmarktes sorgen. Die Vorgaben des GBA werden auf die kontinuierliche Konzentration des Krankenhausmarktes ausgerichtet sein. Mit weiteren Personalmindestvorgaben durch den GBA, insbesondere im Pflegebereich, wird sich die Personalknappheit mittelfristig eher verschärfen. Die Herausforderungen, qualitativ und wirtschaftlich erfolgreich zu sein, werden daher für alle Kliniken in Deutschland eher noch größer werden. Der Konkurrenzkampf im Rhein-Main-Gebiet wird sich auch um das gute Fachpersonal drehen.

Das Klinikum Hanau will auch weiterhin ein unverzichtbarer Partner für die Gesundheitsversorgung der Menschen im Main-Kinzig-Kreis bleiben.