Vorhofflimmerzentrum

Vorhofflimmern ist bereits heute die am häufigsten behandelte Herzrhythmusstörung in der Klinik. Die Rhythmusstörung erhöht das Schlaganfallrisiko, sowie die Häufigkeit von Krankenhausaufnahmen wegen einer Herzinsuffizienz und ist daher mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. Aufgrund der epidemiologischen Entwicklung ist in den folgenden Jahren mit einer deutlichen Zunahme von Vorhofflimmern in der Bevölkerung zu rechnen. 

Neben der Gabe von antiarrhythmisch wirksamen Medikamenten besteht die effektivste Behandlung in einer Katheterbehandlung, der sogenannten Pulmonalvenenisolation. Bei der Pulmonalvenenisolation handelt es sich um komplexe Interventionen. Die Erfolgsquote dieses Verfahrens beträgt nach einem Jahr etwa 60-80%, nach einem eventuell notwendigen Zweiteingriff sogar bis zu 90 Prozent.

Spezialisierte Kliniken, die diese Behandlungen in ausreichender Anzahl und Qualität erbringen, können durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie als sogenannte Vorhofflimmer-Zentren zertifiziert werden. Dabei wird der gesamte Behandlungsprozess von der Aufnahme der Patienten über die Behandlung bis zur Entlassung und Nachsorge begutachtet. Das Komplikationsmanagement und die Kooperation mit den ggfs. dafür erforderlichen anderen Abteilungen im Klinikum Hanau wurde im Rahmen des Zertifizierungsprozesses ebenfalls geprüft. Neben der bereits bestehenden Zertifizierung als Stätte der Zusatzqualifikation „Spezielle Rhythmologie“ dürfen wir uns seit Juni 2023 auch über die Zertifizierung als Vorhofflimmer-Zentrum freuen. Die fortlaufende Qualitätssicherung und Überprüfung der vorhandenen Behandlungswege garantiert eine Behandlung nach dem aktuellen Stand der Leitlinien und der Wissenschaft.

Ihr
Dr. med. Guido Groschup
Leiter des Vorhofflimmerzentrums

Indikationssprechstunden & Kontakte

Sprechstunde (Privatleistung)
Ansprechpartnerin:Anne Becht
Kontakt:Tel.: (06181) 296-4480
Fax: (06181) 296-4111
E-Mail Kontakt
Zeiten:Nach Vereinbarung
Telefonische Terminvereinbarung:

Mo., Mi., Do., Fr.: 8:30-12:30 Uhr
Di.: 13-16:30 Uhr

Team

Das Zentrum wird von Dr. med. Guido Groschup geleitet. Er ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, mit der Zusatzqualifikation Spezielle Rhythmologie. Nach Abschluss des Medizinstudiums hat er seine Weiterbildung zum Internisten und Kardiologen in Aschaffenburg, Memmingen, Augsburg und an der Herz- und Gefäßklinik in Bad Neustadt absolviert. Im Jahr 2014 erlangte er die Zusatzqualifikation für spezielle Rhythmologie und leitete zuletzt als Chefarzt die Medizinische Klinik II, Rhythmologie am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau. Seit Januar 2020 leitet er die neu gegründete Medizinische Klinik IV in Hanau.

Leitender Oberarzt
Dr. med. Korkut Sözener

Qualifikationen
  • Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie
  • Zusatzqualifikation spezielle Rhythmologie

Oberärztin
Dr. med. Peggy Glaser

Qualifikationen
  • Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
  • Zusatzqualifikation spezielle Rhythmologie

Leistungsspektrum

Prästationäre Aufnahme und Aufklärungsgespräch

Nach der Anmeldung durch den Hausarzt bzw. den zuweisenden Kardiologen erfolgt zunächst die Sichtung der bereits vorliegenden Befunde bzw. EKG-Dokumente. Nach der Indikationsprüfung und ggfs. direkter telefonischer Kontaktaufnahme mit Ihnen wird dann ein Aufnahmetermin für den Eingriff vereinbart.

Ca. 1-5 Tage vor dem geplanten stationären Aufnahmetermin erfolgt die prästationäre Aufnahme. Bei diesem ambulanten Termin erhalten Sie neben einer Blutentnahme, EKG und körperlichen Untersuchung eine Beratung und ein Aufklärungsgespräch durch einen in der Rhythmologie tätigen Arzt. Die Indikationsstellung erfolgt durch einen Oberarzt der Rhythmologie mit der Zusatzbezeichnung Spezielle Rhythmologie. So können Sie offene Fragen direkt mit der Ärztin bzw. dem Arzt besprechen, der arbeitstäglich diese Untersuchungen durchführt.

Cryoablation der Pulmonalvenen

Für Patienten mit strukturell gesundem Herzen und noch intermittierend auftretendem (paroxysmalem) Vorhofflimmern setzen wir bevorzugt den Cryoballon zur Isolation der Lungenvenen ein. Mit diesem sogenannten „Single-Shot Device“ gelingt eine technisch gut standardisierte und zuverlässige Behandlung. Nach Verabreichung einer Schlafmedikation und einer örtlichen Betäubung werden im Bereich der rechten Leiste unter Ultraschallkontrolle die Katheter in die Vene eingeführt. Vom rechten Vorhof aus erfolgt durch eine Punktion mit einer feinen Nadel die Passage in den linken Vorhof. Dort werden nacheinander mit dem Kälteballon die Mündungsstellen der Lungenvenen vereist. Dadurch entsteht eine elektrisch undurchlässige Narbe, die die Lungenvenen isoliert und dadurch Störimpulse vom Vorhof fernhält. Die Untersuchungsdauer beträgt ca. 60-90 Minuten. 

Pulmonalvenenisolation mittels Cryoballon, der Ballon ist hier in der Mündung der linken oberen Lungenvene platziert. Bildquelle Bild links: Medtronic GmbH

3D-gesteuerte Ablation der Pulmonalvenen

Mit der 3D-gesteuerten Ablation der Pulmonalvenen steht ein weiteres Verfahren zur Verfügung, mit dem eine Isolation der Lungenvenen zur Behandlung des Vorhofflimmerns durchgeführt werden kann. Die Verödung des Gewebes erfolgt in diesem Fall mit Radiofrequenzenergie, die die Katheterspitze erhitzt. Im Gegensatz zum Kälteballon wird die Isolationslinie bei diesem Verfahren „Punkt für Punkt“ angelegt. Dadurch entsteht um die paarig angelegten Lungenvenen eine ringförmige Ablationslinie, die ebenfalls zur Isolation der Lungenvenen führt.

Bevor die Ablation durchgeführt werden kann, wird das sogenannte 3D-Map erstellt. Dazu verwenden wir regelhaft multipolare Katheter, die eine präzise, hochauflösende Abbildung der Anatomie der linken Vorkammer und der Lungenvenen (HD-Map) ermöglichen.

Bei der Ablation kommt es darauf an, dass jeder einzelne Punkt effektiv die gesamte Wandstärke der Vorhofmuskulatur verödet.

Zur Steuerung dieser Ablationen verwenden wir durchgehend Katheter mit einer Anpressdruck-Messung. Diese Katheter ermöglichen über einen während der Energieabgabe errechneten „Ablations-Index“ eine ausreichende und effektive Energieabgabe. Zudem soll eine zu hohe Energieabgabe bzw. ein zu starker Anpressdruck vermieden werden, um Komplikationen zu verhindern. 

Beispiel einer Ablation mit Anzeige der Anpressdruck-Messung (7g), farbkodierten Visualisierung des eingesetzten Ablations-Index (rote und rosa Ablationspunkte) und der Distanz zum letzten Ablationspunktion (4,8mm)

Die neueste Entwicklung auf diesem Gebiet ist ein speziell entwickelter Katheter, der mit sehr hoher Energieabgabe und kurzen Ablationszeiten (Very high power short duration) effektive Läsionen erzielen kann. Durch die sehr hohe Energieabgabe über kurze Zeit erwartet man eine effektive Verödung der Vorhofmuskulatur mit reduzierten Komplikationsraten an umgebenden Strukturen. Neben diesem Aspekt reduziert sich die Verweildauer im linken Vorhof und damit die gesamte Untersuchungsdauer deutlich.

qDot MICRO™ Catheter mit der Möglichkeit zur „very high power short duration“ Ablation. Bildquelle: Biosense Webster

Substratmodifikation bei Fibrose und Behandlung von atypischem Vorhofflattern

Das Verfahren der 3D gesteuerten Radiofrequenz-Ablation ermöglicht über die reine Pulmonalvenenisolation hinaus auch eine sogenannte Substratmodifikation. Darunter versteht man Ablationen bzw. Ablationslinien im Bereich des Vorhofes, die nicht der Isolation der Lungenvenen dienen. Gerade bei stark veränderten Vorhöfen mit einem hohen Anteil von narbigem Bindegewebe (Fibrose) ist eine Behandlung dieser Bereiche häufig notwendig.

Insbesondere Patienten, die mit einem sogenannten atypischen Vorhofflattern zur Behandlung kommen, benötigen dieses Verfahren. Hierdurch kann die im linken Vorhof kreisende Erregung gezielt unterbrochen und zukünftig unterbunden werden.

Die Untersuchungsdauer für die 3D-gesteuerte Pulmonalvenen-isolation und/oder eventuell notwendige Substratmodifikation ist von Patient zu Patient unterschiedlich und liegt zwischen 90-150 Minuten.

Beispiel für ein atypisches Vorhofflattern mit Aktivierungsfront über das Dach des linken Vorhofs. Durch Anlage einer Ablationslinie zwischen den rechts- und linksseitigen Lungenvenen konnte das Vorhofflattern beendet und effektiv behandelt werden.
Entlassmanagement und Qualitätssicherung

Der postinterventionelle Verlauf bis zur Entlassung unterscheidet sich bei den verschiedenen Ablationsverfahren zur Behandlung des Vorhofflimmerns nicht. Die Punktionsstellen im Bereich der rechten Leiste werden i.d.R. durch eine Naht verschlossen, der Faden kann meist nach sechs Stunden Liegezeit entfernt werden. In der Regel können die Patienten am Folgetag die stationäre Behandlung verlassen. Wir empfehlen für ca. fünf Tage bei körperlicher Aktivität die Punktionsstelle im Bereich der rechten Leiste zu schonen, um eine Nachblutung in diesem Bereich zu vermeiden.

Zur Verlaufskontrolle und Qualitätssicherung kontaktieren wir die Patienten bzw. die zuweisenden kardiologischen Kollegen nach drei und 12 Monaten, um die Effektivität der Behandlung und mögliche Komplikationen zu erfassen.

Im Rahmen der Zertifizierung und fortlaufenden Qualitätssicherung werden diese Daten einmal jährlich anonymisiert an die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie gemeldet. Dies ermöglicht eine transparente Abbildung unserer Behandlungsergebnisse und eine Einordnung in die deutschlandweit erzielten Ergebnisse aller Vorhofflimmer-Zentren.