Pressemeldung vom 21. Dezember 2018

Dass Herz und Lunge besser heilen können: Erste miniaturisierte Herz- und Lungenmaschine am Klinikum Hanau implantiert.


Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Nephrologie und internistische Intensvimedizin bietet mit dem neuen ECLS-Gerät Herz- und Kreislauftherapie auf Universitätsniveau.

Der plötzliche Herztod gehört zu den Haupttodesursachen weltweit. Wenn das Herz unvermittelt aufhört zu schlagen, muss es schnell gehen und sofort mit einer Reanimation begonnen werden. Weil Herz und Lunge dann die ausreichende Versorgung des gesamten Organismus nicht mehr sicherstellen, können miniaturisierte Herz-Lungen-Maschinen (ECLS – extracorporeal life support) zum Einsatz kommen. Sie übernehmen bei akutem Herz- und Lungenversagen die Funktion der betroffenen Organe und können so die letzte rettende Option darstellen. Seit Dezember 2018 bietet die Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Nephrologie und internistische Intensivmedizin am Klinikum als einziger Maximalversorger im Main-Kinzig-Kreis die Möglichkeit schwerst herzkranke Patienten mit einer solchen mobilen Mini-Herz-Lungenmaschine zu versorgen. Die kleinen Geräte entlasten Herz und Lunge und geben ihnen so die Möglichkeit, sich zu regenerieren. „Mit diesem neuen Verfahren bietet das Klinikum insbesondere seinen kardiologischen Patienten nun eine umfassende Herz- und Kreislauf-Diagnostik und -Therapie an, wie sie sonst nur an Universitätskliniken zu finden ist“, sagt Volkmar Bölke, Geschäftsführer des Klinikums Hanau.

ECLS-Geräte sind künstliche Kreislaufsysteme, die außerhalb des Körpers (extrakorporal) angelegt werden. Dabei werden zwei Kanülen über die Leistengefäße des Patienten angeschlossen, von denen eine das Blut mittels einer Pumpe ansaugt und herausleitet. Das Blut strömt durch die künstliche Lunge und wird mit Sauerstoff angereichert. Die zweite Kanüle pumpt das Blut dann zurück in das Gefäßsystem. Die Maschine kann so wahlweise die Lungenfunktion (v-v-ECMO) oder die kombinierte Herz- und Lungenfunktion (ECLS) teilweise oder vollständig übernehmen. „Das entlastet das geschädigte oder erkrankte Organ“, erklärt PD Dr. med. Christof Weinbrenner, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Nephrologie und internistische Intensivmedizin. „Je nach Erfolg der anschließenden Therapie kann es später wieder seine Funktion übernehmen.“

Eingesetzt wird die ECLS bei Patienten mit Herzstillstand während der Reanimation. Die Grundvoraussetzung ist jedoch eine optimale Reanimation ab dem Zeitpunkt des Herz-Kreislaufstillstandes. Deshalb wurde auch für die Reanimation am Klinikum Hanau ein neues Gerät angeschafft: Das LUCAS (Lund University Cardiac Arrest System) ist ein Thoraxkompressionssystem, das mit einer Geschwindigkeit von 102 Kompressionen pro Minute und einer Eindrucktiefe von 5,3 cm bei einem Kompressions-zu-Dekompressions-Verhältnis von 1:1 arbeitet. Dadurch wird während der ersten Reanimation und der Implantation der ECLS eine ausreichende Kreislaufdurchblutung gewährleistet. Nach der erfolgreichen ECLS-Implantation ist der Kreislauf sofort wieder intakt. Das Behandlungsteam gewinnt wertvolle Zeit und kann den Patienten unter kontrollierten Bedingungen weiter therapieren. Allerdings ist das Anschließen eines Patienten unter Reanimationsbedingungen sehr anspruchsvoll: „Wenn man die etwa fingerdicken Kanülen in die Leistengefäße einführt, muss jeder Handgriff sitzen“, erklärt Christof Rother, Oberarzt und Leiter des Herzkatheterlabors. „Dazu bedarf es eines routinierten Zusammenspiels innerhalb des ECLS-Teams.“ In dem Team, das für die Reanimationen im Klinikum, aber auch außerhalb zuständig ist, arbeiten Anästhesisten und Intensivmediziner aus der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie unter der Leitung von Chefarzt PD Dr. med. Marco Gruß, Kardiologen und speziell geschulte Pflegekräfte des Herzkatheterlabors zusammen. „Das Klinikum Hanau hat mit diesen beiden Methoden einen riesigen Schritt nach vorne getan, um die Bevölkerung in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis umfassend bei schweren Herz- und Lungenerkrankungen zu versorgen“, freut sich Volkmar Bölke, Geschäftsführer des Klinikums Hanau.

Seit zwei Jahren wird am Klinikum Hanau bei komplexen Kathetereingriffen und bei schweren großen Herzinfarkten eine Mikro-Axialpumpe (Impella) eingesetzt. Diese wird durch die Schlagader in der Leiste ähnlich einem normalen Herzkatheter bis zum Herzen vorgeführt. Diese Pumpe saugt das Blut in der linken Herzkammer an und transportiert, angetrieben durch eine winzige, in den Katheter eingebaute Microaxialpumpe, bis zu 4 l/min in die Körperschlagader. Das entlastet die linke Herzkammer, unterstützt den Blutkreislauf und dem Körper stehen sicher bis zu 4 l Blut/min zur Verfügung. Bei sehr schweren Fällen des Herzversagens können auch eine ECLS und eine Impella gleichzeitig implantiert werden, um das Herz in zweifacher Weise zu unterstützen.

Für Patienten, deren Lungen so schwer geschädigt sind, dass sie die Atemfunktion nicht mehr sicherstellen können (z.B. beim ARDS), bieten die Intensivstationen des Klinikums schon seit vielen Jahren die extrakorporale Membran-Oxygenierung (ECMO) an, bei der eine Maschine teilweise oder vollständig die Atemfunktion des Patienten übernimmt. Diese Therapieform ist bei Patienten mit intaktem Kreislauf oft die einzige Möglichkeit, um die Sauerstoffversorgung des Körpers zu überbrücken, bis sich die Lungen wieder regeneriert haben und die Lungenerkrankung geheilt ist.