Pressemeldung vom 30. November 2018

Klinikum Hanau startet als Hessens erste Klinik Schlaganfall-Lotsen-Projekt  


Am Freitag, 30. November 2018 stellte das Klinikum Hanau das Schlaganfall-Lotsen-Projekt mit dem Namen „HANNS“ – Hanauer ambulante Nachsorge nach Schlaganfall vor. Das Projekt steht unter der Patenschaft von Ex-Nationaltorwart, Eintracht-Profi und Rekord-Fußballer Uli Stein und ist in Hessen bisher einmalig.  Zum Video

Auch als Hirnschlag bezeichnet, ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in der Bundesrepublik und betrifft jährlich rund 270.000 Menschen: Viele Betroffene leiden ein Leben lang unter den Folgen, fast 40% versterben innerhalb des ersten Jahres, bis zu 20% erleiden mindestens einen weiteren Schlaganfall. Um die Lebensqualität der Patienten möglichst gut zu erhalten und Komplikationen wie beispielsweise erneuten Schlaganfällen vorzubeugen, hat die Klinik für Neurologie, unter Leitung von Chefarzt Dr. med. Sven Thonke, in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe das Schlaganfall-Lotsen-Projekt ins Leben gerufen, in dem Patienten bis zu ein Jahr nach einem Schlaganfall nachbetreut werden.

Die Idee zum Projekt übermittelte Stadtverordnete Cornelia Gasche: „Im Herbst 2017 habe ich meinen alten Schulkammeraden Dr. Markus Klimmer in Berlin besucht. Wir stießen sehr rasch auf das Thema Schlaganfall, da wir beide familiär betroffen sind. Er ist vielseitig engagiert sowie eng mit Liz Mohn, der Präsidentin der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, vernetzt und machte mich auf das Projekt aufmerksam. Im Februar 2018 haben wir uns im kleinen Kreis in Hanau getroffen und die Idee kam bei allen Beteiligten gut an. Das freut mich sehr“, sagt sie. Claus Kaminsky, Oberbürgermeister der Stadt Hanau sagt: „Es ist keine Frage, dieses Projekt wird sehr, sehr vielen Menschen helfen und ich bin stolz, dass wir in Hanau Vorreiter für noch hoffentlich viele weitere folgende Städte sein dürfen.“

Und die Idee kam nicht nur beim Träger des Klinikums, der Stadt Hanau, gut an, sondern auch im Klinikum selbst. „Der Schlaganfall zählt zu den Krankheiten, bei denen besonders schnell reagiert werden muss. Wir sind in der Medizin inzwischen so weit, dass wir den Patienten oftmals mit verschiedenen Behandlungsmethoden zahlreiche Folgeschäden ersparen können, doch dazu muss es möglichst schnell gehen. Das Projekt sensibilisiert zum einen für das Thema, zum anderen fängt es Betroffene und Angehörige da auf, wo normalerweise unser Einsatz endet. Denn nach einem Klinikaufenthalt geht es weiter – vor allem mit Folgeschäden wird das komplette Leben auf den Kopf gestellt und dort setzt das Projekt an. Es unterstützt bei den ersten Schritten in dieses neue Leben und hilft unseren Patienten, ihr Leben so zu verändern, dass das Risiko für einen weiteren Schlaganfall aber auch für andere Gefäßkrankheiten wie Herzinfarkte wirksam vermindert wird“, sagt Dr. med. Sven Thonke. „Ich finde es unheimlich wichtig, dass wir unsere hervorragenden Versorgungsmöglichkeiten im Bereich Schlaganfall hier in Deutschland nutzen, weiter ausbauen und vor allem darauf aufmerksam machen, was wir im Stande sind für unsere Patienten zu leisten, wenn das Gesundheitssystem hinter den Ärzten und Pflegekräften steht, die tagtäglich vollen Einsatz zeigen“, ergänzt Klinik-Geschäftsführer Volkmar Bölke.

Florentina Porcellacchia und Mareike Dous heißen die beiden Lotsinnen, die ab sofort für das neue Projekt am Klinikum Hanau im Einsatz sind. Beide sind mit dem Thema bereits mehrere Jahre in enger Berührung. Mareike Dous arbeitete bisher auf der Stroke Unit (spezialisierte und zertifizierte Schlaganfall-Station) des Klinikums und Florentina Porcellacchia hat in den letzten Jahren als Schlaganfall-Lotsin für Kinder in England gearbeitet. Beide haben eine Weiterbildung zur Schlaganfall-Lotsin bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe gemacht, die ihren Background des pflegerischen bzw. therapeutischen Berufs optimal ergänzt. „Es liegt uns am Herzen, dass betroffene Patienten auch dann gut versorgt sind, wenn sie das Krankenhaus verlassen. Mit der Thrombektomie und Lysetherapie sowie der umfassenden Behandlung auf der Stroke Unit ist die Akutversorgung im Klinikum auf dem neuesten Stand. Bei unserer täglichen Arbeit haben wir aber beide festgestellt, dass die nachklinische Versorgung zu Schwierigkeiten und offenen Fragen führt“, sagt Mareike Dous. Zum vielfältigen Aufgabengebiet der Lotsinnen gehört, dass sie helfen, sich im komplexen Gesundheitssystem zurechtzufinden und Risikofaktoren im täglichen Leben der Patienten zu erkennen und in den Griff zu bekommen und so einem möglichen weiteren Schlaganfall vorzubeugen. „Wir lernen die Patienten zunächst in der Klinik auf der Stroke Unit kennen und arbeiten dann mit ihnen eine Art „Zielplanung“ aus. Wir besuchen sie in der Reha und halten im ersten Jahr nach dem Vorfall regelmäßig Kontakt – nicht nur mit den Betroffenen, sondern beispielsweise auch mit dem behandelnden Hausarzt. Wenn dann auffällt, dass der ausgearbeitete Therapieplan nicht funktioniert, nehmen wir gemeinschaftlich Anpassungen vor“, erklärt Florentina Porcellacchia die übliche Vorgehensweise hierbei. Besonders freut sich das Projekt-Team, dass es für die Initiative Fußballexperte Uli Stein gewinnen konnte, der darüber sagt: „Schlaganfall-Lotsen, die Betroffenen zurück ins selbstständige Leben helfen, finde ich eine super Sache. Da habe ich nicht lange gezögert und die Patenschaft zugesagt.“

Dr. Michael Brinkmeier, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Hilfe erläutert, dass die Stiftung in ihrer Heimatregion Ostwestfalen-Lippe mit ihrem Projekt „Stroke OWL“ bis 2020 den Beweis antreten wolle, dass die Betreuung durch Schlaganfall-Lotsen die Lebensqualität der betroffenen Personen erhöht. Bis zu 2.000 erkrankte Menschen werden zunächst von dem Projekt profitieren, aus dem die Schlaganfall-Hilfe ein Versorgungsmodell für ganz Deutschland entwickeln möchte. Umso erfreuter zeigt sich Brinkmeier über die Initiative in Hanau: „Unser Ziel ist, das Angebot so schnell wie möglich auszubauen und in die Regelversorgung zu überführen. Je mehr Kliniken und Einrichtungen mitmachen, desto besser wird uns das gelingen. Wir wünschen dem Team des Klinikums Hanau einen guten Start und freuen uns auf die Zusammenarbeit.“

 

Über die Klinik für Neurologie
Das Behandlungsspektrum der Klinik für Neurologie am Klinikum Hanau umfasst alle Erkrankungen, bei denen Nervenstrukturen beeinträchtigt sind. Dies kann Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der peripheren Nerven, der Muskeln und des Bewegungsapparates betreffen. Das Aufgabenspektrum umfasst insbesondere die Akutbehandlung des Schlaganfalls, die Diagnostik und Behandlung der Parkinson-Erkrankung sowie anderer Bewegungsstörungen wie Dystonien oder das Restless-Legs-Syndrom (RLS), akute und chronische Entzündungen des Nervensystems (Multiple Sklerose, Borreliose u. a.), aber auch die Behandlung von Epilepsien, akuten und chronischen Schmerzerkrankungen (z.B. Kopfschmerzen und Bandscheibenerkrankungen), Schwindel, Demenzerkrankungen, Polyneuropathien und neuromuskuläre Erkrankungen (z. B. Myasthenie oder Myopathien). Außerdem steht für schwerstkranke Patienten, die unter neurologischen Erkrankungen leiden, eine interdisziplinäre Intensivstation zur Verfügung, auf der intensivpflichtige Patientinnen und Patienten mit den modernsten Mitteln der Intensivmedizin betreut werden.

In der Klinik wird die Mehrzahl der Schlaganfälle aus dem Main-Kinzig-Kreis und der Stadt Hanau behandelt. Dafür steht die moderne Schlaganfall-Spezialstation (Stroke Unit) mit 15 monitorüberwachten Behandlungsbetten zur Verfügung. Auf der Stroke Unit werden die Patienten durch ein spezialisiertes multidisziplinäres Team bestehend aus Ärzten, Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Neuropsychologen und Sozialarbeitern betreut. Die Stroke Unit ist durch die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft zertifiziert. So ist sichergestellt, dass immer nach dem neuesten wissenschaftlichen Kenntnisstand behandelt wird.

Wenn Betroffene innerhalb von viereinhalb Stunden nach Beginn der Symptome die Klinik erreichen, kann durch eine medikamentöse Behandlung (Thrombolyse) das Blutgerinnsel, das den Schlaganfall verursacht hat, aufgelöst werden. Bei manchen Patienten ist es möglich, das Blutgerinnsel lokal aus der verschlossenen Arterie zu entfernen (Thrombektomie). Als Mitglied des Interdisziplinären Neurovaskulären Netzwerks Rhein-Main (INVN) arbeitet die Klinik eng mit mehreren Kliniken im Rhein-Main-Gebiet zusammen und kann somit gewährleisten, dass eine solche Behandlung für Betroffene jederzeit kurzfristig zur Verfügung steht.