Pressemeldung vom 25. September 2018

Kompetenzzentrum für Menschen mit krankhaftem Übergewicht am Klinikum Hanau zertifiziert


Klinikum Hanau bietet Betroffenen aus Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis eine heimatnahe Behandlung in einem zertifizierten Zentrum.

Kaum einer spricht in Deutschland darüber, die morbide Adipositas, also das krankhafte und damit therapiebedürftige Übergewicht, ist in der Bundesrepublik immer noch ein Tabuthema. Dies zeigt auch eine aktuelle Umfrage einer der größten deutschen Krankenkassen. Dabei handelt es sich bei der Krankheit um ein Problem, das insbesondere für die Betroffenen selbst immense Ausmaße annimmt und viele weitere Krankheitsbilder mit sich bringt. Ab Februar 2014 begann Dr. med. Jürgen Vogt deshalb am Klinikum Hanau damit, eine eigene Abteilung für adipöse Patienten innerhalb der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie unter der Leitung von Prof. Dr. med. Peter Langer zu etablieren. Zusammen mit Oberarzt Dr. med. Christoph Kramps hat Vogt den Fachbereich im Verlauf der vergangenen vier Jahre immer weiter ausgebaut, jetzt hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) das  Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie zertifiziert. „Für mein Team und mich ist diese Zertifizierung ein großer Erfolg. Sie zeigt, dass wir sowohl qualitativ als auch infrastrukturell betroffenen Patienten heimatnah eine gute und leitliniengerechte Behandlung mit guten Erfolgsaussichten bieten können“, so Langer.

Auch der Geschäftsführer des Klinikums, Volkmar Bölke, gratuliert dem Team: „Insbesondere für Zertifizierungen im Bereich der Adipositaschirurgie sind die Anforderungen sehr hoch. Ich freue mich, dass wir im Zertifizierungsverfahren mit unserem umfassenden Therapiekonzept und dem Fachwissen unserer Experten überzeugen konnten.“ Neben einer bestimmten Mindestzahl an chirurgischen Eingriffen müssen in der Klinik auch spezifische Qualitätsstandards sowie diverse infrastrukturelle Voraussetzungen gegeben sein: Auf Station werden beispielsweise spezielle Betten und Stühle benötigt und die Tische im OP müssen besonders belastbar sein. Außerdem muss ein ganzheitliches Behandlungskonzept inklusive prä- und postoperativem Versorgungsplan vorgelegt werden, dazu gehört auch die Ernährungsberatung und die Abteilung für Physiotherapie. Diese bietet zum Beispiel zusammen mit den Verantwortlichen des Kompetenzzentrums einen von der Zentralen Prüfstelle Prävention nach §20 SGB zertifizierten Aquafitnesskurs für übergewichtige Patienten an, der mehrmals im Jahr stattfindet.

Als Indikator für die Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit hat die Weltgesundheitsorganisation WHO den sogenannten Body Mass Index (BMI = Körpergewicht/Körpergröße²) festgelegt. Ab einem BMI von 25 spricht man in Fachkreisen von Übergewicht, ab einem Index von 30 von Adipositas. Bei Adipositas Grad II (BMI von 35 bis 40) – insbesondere in Verbindung mit Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Verschleißerscheinungen an Wirbelsäule und Gelenken – sind operative Methoden angeraten, vor allem dann, wenn konservativen Therapien gescheitert sind. Bei einem BMI von mehr als 40 bringen Ansätze wie Diät, Verhaltenstherapie, Lebensstiländerung und körperliche Bewegung zur Gewichtsreduktion keinen Erfolg mehr. In diesen Fällen muss operiert werden, um dauerhafte Abhilfe zu schaffen, man spricht dann von der Adipositas- oder der Bariatrischen Chirurgie. Als Facharzt für Viszeralchirurgie hat Oberarzt Dr. med. Christoph Kramps einen seiner klinischen Schwerpunkte auf die Adipositaschirurgie gelegt, 2018 hat er die Leitung für das neu zertifizierte Kompetenzzentrum von Dr. med. Jürgen Vogt übernommen, der in den Ruhestand gegangen ist. Zwei Mal wöchentlich bietet das Klinikum Hanau eine Indikationssprechstunde zu diesen Themen an, immer am letzten Donnerstag im Monat trifft sich die Selbsthilfegruppe im Haus.