Würdige Verabschiedung auch für die Allerkleinsten

Liebevoll hergestellte Bekleidung für still geborene Kinder im Klinikum Hanau

Wenn es nach der Geburt still bleibt, so ist dies wohl der schlimmste Moment für Eltern. In dieser Situation bieten die Seelsorgenden des Klinikums Hanau und die Initiative „Schmetterlingskinder" eine besondere Hilfe an. Die Unterstützerinnen fertigen für still geborene Kinder in ehrenamtlicher Arbeit Kleidungsstücke an und geben diese kostenlos an Kliniken weiter. 

Klinikpfarrer Hans-Joachim Roth von der evangelischen Klinikseelsorge und der Chefarzt der Frauenklinik PD Dr. Thomas Müller haben zwei dieser „Klinikboxen mit Kleidungsstücken" dankbar in Empfang genommen. Sie sind froh über diese neue Hilfestellung für die traurigen Momente ihres Alltags. Daniela Deuser, eine der Begründerinnen der Aktion meint: „Wir freuen uns, dass die Klinikboxen im Klinikum Hanau verwendet werden und Eltern in ihrer Trauer helfen. Aus eigener Betroffenheit heraus wissen wir, wie wichtig das ist."

Klinikpfarrer Roth erzählt, dass fast alle betroffenen Mütter ihr Baby nach der Geburt noch einmal sehen und meist auch in den Armen halten möchten: „Es ist spontane Liebe auf den ersten Blick - und zugleich ist dieser Blick auch schon der letzte. Das macht diesen Moment so unendlich kostbar und zugleich so kummervoll."

Die gemeinsame Aktion der Initiative „Schmetterlingskinder" und des Klinikums hilft mit, diesen intensiven Augenblick respektvoll zu gestalten. Dank der liebevoll genähten, gehäkelten oder gestrickten Kleidungsstücke können die Babys ihren Eltern in individuell hergestellten Einzelstücken übergeben werden. Klinikpfarrer Roth erklärt dazu: „Indem wir die kleinen Körper bedecken, richten wir ein Zeichen für ihre Menschenwürde auf".
Den Klinikboxen sind kleine Erinnerungstücke beigefügt - eines verbleibt beim Kind, das andere dürfen die Eltern als Andenken mit nach Hause nehmen. Die Textilien selbst gibt es in drei Größen. Sie sind den Besonderheiten der „Schmetterlingskinder" angepasst und dementsprechend einfach in der Handhabung.

Mit diesen neuen Möglichkeiten wird in der geburtshilflichen Abteilung des Klinikums Hanau konsequent ein Konzept weiterentwickelt, das schon seit vielen Jahren umgesetzt wird. Seit jeher waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Frauenklinik darauf bedacht, dass die Blöße der Kinder bedeckt und so viele positive Erinnerungen wie möglich für die Eltern geschaffen werden. Sie erhalten eine Mappe mit Foto und Fußabdruck ihres Kindes, ein Blatt mit individuellen Angaben und dazu Informationsmaterial über Hilfsangebote.

Oft fragen sich Eltern nach dem Tod ihres Kindes, wie es überhaupt weiter gehen soll, berichtet Roth. Dank der Möglichkeit der Beisetzung am Kindergrabmal auf dem Hauptfriedhof Hanau gibt es seit zehn Jahren eine würdige letzte Ruhestätte für die sogenannten „Schmetterlingskinder" oder „Sternenkinder".

Die Seelsorgenden des Klinikums Hanau stellen sich den Müttern und Vätern in den schweren Momenten während, sowie nach der Geburt bereitwillig zur Verfügung, geben Halt und sind Ansprechperson, wenn dies gewünscht wird. Auch Gebete und Segnungen für die Kinder sind möglich. In der Zeit danach bieten sie weiterhin ihre Unterstützung an, vermitteln den Kontakt zu Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen und sind gerne dazu bereit, die Kinder würdevoll bis zu ihrer letzen Ruhestätte an das Kindergrabmahl zu begleiten. Der achtungsvolle Umgang mit den Verstorbenen ist Hans-Joachim Roth enorm wichtig: „So wie wir mit unseren Toten umgehen, machen wir deutlich, wie wir die Lebenden wertschätzen."

Wer die Aktion der „Schmetterlingskinder" fördern möchte, kann dies tun, indem er die Begründerinnen in der Herstellung der Kleidung unterstützt oder mit 29 Euro Pate für eine Klinikbox wird. Das Konto lautet: Frauenworte e.V., Kto. Nr. 525 003 967 bei der Sparkasse Gotha, BLZ 820 520 20, Stichwort: Klinikaktion Box-Patenschaft. Nähere Informationen und die Kontaktdaten gibt es unter: www.klinikaktion-der-schmetterlingskinder.de