Was ist Krebs?

Was ist eigentlich Krebs?
Zusammensetzung des menschlichen Körpers
Der menschliche Körper ist aus unterschiedlichen Geweben (z.B. Muskelgewebe oder Fettgewebe) zusammengesetzt. Diese Gewebe bilden die Organe wie Leber, Herz oder die Haut. Die Gewebe bestehen aus Milliarden von kleinsten Einheiten, den Zellen. Jede normale Zelle des Körpers hat eine ihr eigene Funktion, die sie von anderen Körperzellen unterscheidet. Jede Körperzelle wird über den sogenannten Zelkern gesteuert, der (in jeder Körperzelle!) jeweils das gesamte Erbgut des jeweiligen Menschen beinhaltet.

Die Zellteilung
Da normale Körperzellen altern und absterben, müssen sie ersetzt werden. Ein gutes Beispiel ist die äußere Haut, die sich ständig abreibt und von innen her ständig nachwachsen muss. Dazu müssen sich spezialisierte Zellen des Hautgewebes beständig teilen und damit neue Hautzellen schaffen. Bei dieser Zellteilung muss das jeweilige Erbgut der betreffenden Zelle verdoppelt und dann auf zwei Tochterzellen, die bei der Zellteilung entstehen,aufgeteilt werden. Diese Aufteilung des Erbgutes ist ein sehr komplizierter Vorgang, der fehleranfällig ist. Da die Natur sich aber zum Schutz des Erbgutes bemüht, bei diesem Vorgang keine Fehler zuzulassen, werden entstehende Erbgutfehler bei der Zellteilung entdeckt und repariert.

Veränderung des Erbgutes, Apoptose
Sollte ein Fehler des Erbgutes nicht repariert werden können, ist eine ansonsten intakte Körperzelle in der Lage, ein spezielles Programm im Wachstumsmuster abzurufen, das schließlich mit einem planmäßigen Zelltod endet. Dieser programmierte Zelltod wird Apoptose genannt.

Krebs entsteht Schritt für Schritt
Krebszellen entstehen aus normalen Körperzellen dadurch, dass in ihrem enthaltenen Erbgut kleinste Veränderungen passieren, an sich täglich millionenfach vorkommen und repariert werden können. Bei dem ersten Schritt zur Krebsenstehung werden aber besonders empfindliche Stellen des Erbgutes getroffen, die Achillesfersen des Erbgutes. Diese sind die Anteile des Erbgutes, die z.B. die Programmierung des Zelltodes, der Apoptose selbst steuern. Ist nämlich die Apoptose in einer Zelle defekt, kann sich die Zelle nicht korrekt reparieren und kann deswegen zufällig entstandene Defekte der Erbsubstanz an ihre nachfolgenden Tochterzellen weitervererben. Reparaturgene werden auch Tumorsuppressor-Gene genannt, weil durch korrekte Reparatur von Fehlern die Entstehung von Krebszellen verhindert wird. Entstehen weitere Defekte an der Erbsubstanz an anderen Stellen, die das Wachstum der Zelle steuern, kann die Zelle sich nicht mehr richtig verhalten und fängt entgegen dem normalen Verhalten an, zu wachsen und sich schneller als geplant zu teilen. Solche wachstumsfördernden Gene heißen Onkogene, da Veränderungen bei Wachstumsgenen die ersten Veränderungen am Erbgut überhaupt waren, die unmittelbar mit der Krebsentstehung in Verbindung gebracht werden konnten. Weitere Veränderungen können hinzukommen, so dass die Zelle und ihre Tochterzellen immer rascher wachsen, immer unkontrollierbarer werden und schließlich als bösartige Gewebeform andere Gewebe zerstören, die Krebserkrankung ist da.

Vorbeugung ist die beste Behandlung
Solche stufenweise Veränderung von Körperzellen hin zu bösartigen Zellen kann sich über Jahre hinziehen. Besonders gut untersucht ist der Vorgang der Krebsentstehung bei dem Dickdarmkrebs. Hier weiß man inzwischen, dass Krebs erst nach mehreren Zwischenstufen über mehrere Jahre aus kleinen Knospungen und Wucherungen der Dickdarmschleimhaut, aus sogenannten Adenomen entsteht. Diese Wucherungen sind noch gutartig. Sie sind aber schon so groß, dass sie im Endoskop bei der Darmspiegelung gut erkannt werden können. Alle Krankenkassen bezahlen seit Oktober 2002 ab dem Alter von 55 Jahren eine Vorsorge-Dickdarmspiegelung, die solche gutartigen Wucherungen im Dickdarm erkennen soll. Sind Adenome vorhanden, werden diese im selben Eingriff abgetragen und können sich nicht mehr zu zerstörerischem Krebs weiterentwickeln.
Solche stufenweise Entstehung von Krebs ist bei zahlreichen Geweben gut untersucht und bestens verstanden.

Risiko!
Krebs ist so alt wie die Menschheit, eigentlich noch viel älter. Nur scheint es so, dass einige Krebsformen heutzutage viel häufiger vorkommen als noch vor 50 oder 100 Jahren. Dies stimmt beispielsweise für den Lungenkrebs von Mann und Frau, der mit zunehmenden Rauchgewohnheiten immer häufiger geworden ist. Im Tabakrauch sind eine große Zahl unterschiedlicher chemischer Verbindungen, die jede für sich allein Krebs auslösen können (sogenannte Karzinogene). Je länger und stärker solche schädlichen Substanzen einwirken können, desto höher ist das Risiko, eine Krebserkrankung, Lungenkrebs, zu entwickeln. Weitere gut bekannte Risikofaktoren sind bestimmte Krankheitserreger bei bestimmten Krebsarten und beispielsweise Inhaltsstoffe der Nahrung.
Man schätzt, dass allein etwa jede dritte Krebserkrankung verhindert werden könnte, wenn nur auf Tabakkonsum vollständig verzichtet werden könnte.

Ausblick
Krebswissenschaft (Onkologie) ist keine Geheimwissenschaft mehr. Mit dem aktuellen wissenschaftlichen Verständnis ist vorauszusehen, dass in absehbarer Zeit (in den nächsten 2 Jahrzehnten) sich die Behandlungsmöglichkeiten für Krebs entscheidend verbessern werden. Die Krebserkrankung wird mit Sicherheit einen großen Teil ihrer Schrecken verlieren. Die ersten Medikamente einer völlig neuen Generation von Substanzen sind schon jetzt einsetzbar. Diese neuen Medikamente nützen die Kenntnisse über den Entstehungsmechanismus von Krebszellen aus. Sie sind ausgesprochen gut verträglich und einige von ihnen von bislang nicht gekannter Wirksamkeit. Hier ist ein neues Zeitalter in der Krebstherapie angebrochen. Trotzdem werden die bisher bekannten Methoden der Krebstherapie auch weiterhin die Hauptlast der Heilungserfolge zu tragen haben, der Übergang von älteren auf neuere Behandlungsverfahren kann im Interesse des Patienten immer nur schrittweise erfolgen.