Pressemeldung vom 12. Dezember 2012

„Vier Kinder groß zu ziehen, ist eine Meisterleistung"


Vierlinge feiern ersten Geburtstag im Klinikum / Bundesweit gab es vergangenes Jahr nur drei Vierlings-Geburten

„Mensch Beraat, Miraç, Halidenaz und Hiranur! Was habt ihr denn da Schickes an", staunte Martina Wichels, Bereichsleiterin Pflege in der Kinderklinik, nicht schlecht, als sie die Vierlinge zur großen Geburtstagsfeier im Klinikum Hanau begrüßte. Unter dicken Schneeanzügen und Bommelmützen strahlten die glänzenden schwarzen Anzüge und Tüllkleidchen hervor, die Sissi‘s Brautmoden aus Hanau gesponsert hatte. Zur ersten Geburtstagsfeier der im vergangenen Jahr im Klinikum Hanau geborenen Vierlinge im Klinikum waren zahlreiche Gäste gekommen. „Denn in Deutschland sind im vergangenen Jahr nur dreimal Vierlinge auf die Welt gekommen - zwei in Unikliniken und die Vier hier im Klinikum Hanau", berichtete der Ärztliche Leiter der Früh- und Neugeborenen-Intensivstation Dr. Bernhard Bungert.

Kinderkrankenschwestern, Hebammen, Ärzte, Mitglieder des Sterntaler Vereins sowie Freunde und Verwandte der Familie feierten gemeinsam in der Kinderklinik mit Kuchen, türkischem Gebäck und einer bunten Torte, von der vier glückliche Gesichter strahlten. Genauso fröhlich wie auf dem Foto, zeigten sich die Vier auch bei der großen Klinik-Party. Die Tischkante verschwand sofort im Mund der strahlenden Hiranur, die wohl allgemein gern lacht und zur Musik mit wippt. Der kleine Miraç interessiert sich unterdessen mehr für die schöne Geschenkverpackung als für das Kuscheltier darin, und auch die anderen beiden amüsierten sich prima auf dem Schoß der Frauen, die sich vor wenigen Monaten noch im Brutkasten um sie gekümmert hatten.

„Wir sind so stolz - die vier sind der Knaller", sagt Martina Wichels stellvertretend für ihr ganzes Team. Die Vierlinge der Familie Basbaydar waren in der Nacht des 29. November 2011 zwölf Wochen zu früh im Mutter-Kind-Zentrum Hanau zur Welt gekommen und sind dort von einem großen Experten-Team über die kritische Zeit nach der Geburt gebracht worden. Dass alle Vier bei ihrer Geburt nur um die 1100 Gramm wogen, davon ist heute nichts mehr zu spüren. „Ich bin nicht trainiert, lange kann ich den Kleinen nicht so halten", erklärt Dr. Winfried Krill, Chefarzt der Kinderklinik, beim Gruppenfoto. Auch der Ärztliche Direktor des Klinikums Dr. André Michel schaute bei der Feier vorbei, um sich die Wonneproppen anzuschauen. „Hier ist ja richtig was los", sagte er beim Betreten des Partyraumes und freute sich, den immer einspannten Beraat auf den Arm zu nehmen. Der Sterntaler Verein spendierte der Familie vier Hochstühle und einen großen Berg Windeln. „Denn die Vier verbrauchen in einem Monat ganze 250 Euro an Windeln", erzählt die Vorsitzende des Vereins Christine Flohr.

So glücklich die Eltern auch strahlten, so ist der Alltag mit vier Kindern doch nicht immer einfach. Fast täglich bekommt Sevim Basbaydar daher Hilfe von Gülhan Karahalilöglu vom „Institut für Einheit in Vielfalt". Sie hilft, wenn Vater Ahmet auf Arbeit ist beim Aufstehen, Baden, Anziehen und Füttern. „1, 2, 3, 4 Löffelchen in den Mund - so geht das jeden Tag", berichtete sie stolz. Sie singt und spielt gern mit den Kleinen; doch leider kann sie die Familie nur 40 Stunden im Monat unterstützen. Über weitere Hilfen würde sich die Familie deshalb sehr freuen. Alle Gäste waren sich einig: Vier Kinder zu betreuen, ist eine Meisterleistung.

Auch als Dr. med Bernhard Bungert der Ärztlich Leiter der Frühgeborenen-Intensivstation zu den Feierlichkeiten stößt, ist er gerührt über die beiden strahlenden und herausgeputzten Vierlings-Eltern. „Sie verdienen wirklich größte Anerkennung. Sie so entspannt wieder zu treffen, damit hatte ich nicht gerechnet." Er berichtete den Gästen der Party von der Nacht der Geburt und der tollen Zusammenarbeit des Experten-Teams - dabei hatte er die beiden Jungen auf jeweils einem Bein sitzen.

Der Chefarzt der Frauenklinik PD Dr. Thomas Müller unterstrich die Bedeutung des Mutter-Kind-Zentrums bei Risikogeburten. Denn es handelt sich um ein Zentrum der Stufe eins, also mit der höchsten Versorgungsstufe, die es in Deutschland gibt. Die Vierlingsgeburt sei für ihn und die mehr als 20 beteiligten Mitarbeiter eine „sensationelle Erfahrung" gewesen. Eine Vierlingsgeburt hatte es seit mindestens 40 Jahren in Hanau nicht mehr gegeben.