Pressemeldung vom 3. Mai 2018

Hebamme: Ein Beruf mit täglichem Gänsehautfeeling


Sonja Jens, stellvertretende Bereichsleitung Kreißsaal, und Sabrina Guttmann, Hebammenstudentin im Praxissemester am Klinikum Hanau, über die Ausbildung und die schönsten Momente in einem der wichtigsten und ältesten Berufe. 

Mit ihm fängt alles an, weil jeder mithilfe einer Hebamme zur Welt kommt. Deshalb ist es für viele einer der wichtigsten Berufe, Hebammen werden heute und in Zukunft dringend gebraucht. Um die Berufsgruppe zu ehren und der Gesellschaft ihre Bedeutung klar zu machen, wird seit 1991 der internationale Hebammentag am 5. Mai in 50 Ländern begangen. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Hebammenarbeit – wegweisend für die Versorgung von Mutter und Kind“. Auch am Klinikum Hanau spielt die Geburtshilfe eine zentrale Rolle: „Das Motto‚ ‘Sicherheit und Geborgenheit rund um Schwangerschaft und Geburt’ ist nicht nur Selbstverständlichkeit für unsere Klinik geworden, sondern auch eine wichtige Aufgabe in der Prävention für den gesunden Start in das Leben von unseren neuen Erdenbürgern und deren Familien“, so PD Dr. med. Thomas Müller, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Das Eltern-Kind-Zentrum ist besonders qualifiziert für Risikogeburten wie z. B. bei Schwangerschaftsdiabetes, Früh- oder Mehrlingsgeburten. Es verfügt als einzige Klinik im Main-Kinzig-Kreis über die höchste deutsche Versorgungsstufe (Level 1) und bietet, in Hanau einzigartig, einen bei jeder Geburt anwesenden Kinderarzt.

Erst kürzlich wurde der Hebammenberuf als einer der ältesten der Welt für die internationale UNESCO-Liste als Immaterielles Kulturerbe nominiert. Gerade weil Hebammen für einen gesunden Start ins Leben so bedeutsam sind, ist es umso wichtiger, dass sich junge Menschen für den Beruf entscheiden. So gibt es beispielsweise seit einigen Jahren die Möglichkeit, Hebammenkunde (B.Sc.) an verschiedenen Hochschulen in der Bundesrepublik zu studieren. Hebammenstundentin Sabrina Guttmann und die stellvertretende Bereichsleitung Kreißsaal am Klinikum Hanau, Sonja Jens, erzählen im Interview über den Wandel der Ausbildung und die schönsten Momente in ihrem Beruf.

Frau Guttmann, wie genau sieht ein Studium der Hebammenkunde aus?

Sabrina Guttmann: Ich selbst studiere an der Hochschule Fulda seit 2015 diesen dualen Studiengang. Er ist als Bachelor of Science auf acht Semester, also vier Jahre, ausgelegt, und hat von Beginn an gemischte Anteile aus Praxis und Theorie. Zulassungsvoraussetzung ist in der Regel die Fachhochschulreife sowie ein Vorpraktikum im Bereich der Hebammenarbeit. Innerhalb dieser vier Jahre leisten wir die gleichen berufspraktischen Stunden, die auch Hebammenschüler erfüllen müssen, das sind 3.000, und schließen das Studium nicht nur mit dem Bachelor sondern auch mit dem Staatsexamen ab. Neben einem Praxissemester, also sechs Monaten in einer Klinik, waren in meinem Studium auch zwei Externate vorgesehen, in denen ich außerklinische Erfahrungen in den Bereichen der Vor-/Nachsorge, bei Geburtsvorbereitungs- oder Rückbildungskursen aber auch bei Haus- und Geburtshausgeburten sammeln konnte.

Warum haben Sie sich für das Studium entschieden?

Sabrina Guttmann: Mir war schon ziemlich früh klar, dass ich einmal Hebamme werden will. Für das Studium habe ich mich dann persönlich entschieden, weil ich mir die Möglichkeit eines weiterführenden Masters offen halten möchte, um eventuell später einmal in den Leitungsbereich gehen zu können. Es geht in vielen Berufen weg vom Ausbildungsberuf hin zum Studium. Ein akademischer Abschluss wird heute auch in vielen Fällen einfach erwartet, trotzdem finde ich es besonders wichtig, dass wir als Studenten auch die gleiche Praxiserfahrung mitbringen, wie sie Schüler in der Ausbildung machen.

Frau Jens, wie war das bei Ihnen mit der Ausbildung?

Sonja Jens: Hebamme werden war für mich ein Jugendtraum, ich habe Sonntagshilfe in einem Nonnenkrankenhaus geleistet und war dort auch in der Geburtshilfe, da habe ich schnell gespürt, dass das meine Berufung ist. Allerdings hatte ich etwas Schwierigkeiten einen Ausbildungsplatz zu finden, ich passte anscheinend nicht in das typische Bild der Hebamme. Man sagte mir, ich sei zu klein und zart. Ich konnte dann mit dicker Kleidung im Bewerbungsgespräch ein bisschen tricksen und habe mich durchgesetzt. (lacht) Ich denke aber, das hat sich mittlerweile geändert. Ab 1993 habe ich dann die Hebammenschule besucht und bin seit 1996 als Hebamme tätig, seit 1. März des Jahres jetzt am Klinikum Hanau.

Was ist für Sie eine besondere Herausforderung im Beruf und was macht ihn attraktiv?

Sonja Jens: Wir müssen Professionalität und Menschlichkeit unter einen Hut bringen und als Sprachrohr der Eltern und insbesondere der werdenden Mütter für deren Wünsche eintreten. Das bedeutet, das „Normale“ im Blick zu behalten, nicht jede Schwangerschaft zur Risikoschwangerschaft zu machen, fachlich den Ärzten gewachsen zu sein und mit Wissen und Argumenten zu überzeugen. Ein Arzt darf nämlich zum Beispiel keine Geburt ohne Hebamme durchführen, eine Hebamme aber ohne Arzt – sofern kein Risiko für Mutter und Kind besteht. Risiken erkennen können gehört deshalb natürlich auch zum Beruf. Am attraktivsten ist am Hebammenwesen für mich die Vielseitigkeit: Ich habe viele Möglichkeiten, wie ich den Beruf leben kann und habe ein flexibles Zeitmanagement. Gerade auch im freiberuflichen Bereich kann ich selbst mitbestimmen, wie viel ich mache bzw. auch machen kann.

Eine letzte Frage noch an Sie beide: Was ist das schönste an Ihrem Beruf?

Sabrina Guttmann: Puh, das ist eine schwierige Frage, über die ich selbst schon oft nachgedacht habe, weil es so viele schöne Momente gibt. Ich würde sagen, das schönste ist die Familienbetreuung, sie in ihrer Dynamik miteinander zu sehen und mitzubekommen, wie gerade die Mütter ihre Kräfte für diesen besonderen Moment der Geburt ihre Kräfte finden und mobilisieren.

Sonja Jens: Für mich sind es die glücklichen Augen der Eltern, wenn sie ihr Kind zum ersten Mal in den Armen halten, aus einem Paar eine Familie wird und ich einen neuen Erdenbürger gebührend auf der Welt begrüßen kann. Da bekomme ich auch nach 20 Jahren im Beruf jedes Mal noch Gänsehaut.