Pressemeldung vom 6. Juni 2017

Synchroner Herzschlag dank neuem Herzschrittmacher


Klinikum Hanau versorgt Patienten mit neuem MRT-fähigem Implantat zur Bekämpfung von Herzmuskelschwäche

Das Klinikum Hanau versorgt seine Patienten mit Herzschwäche ab sofort mit Herzschrittmachern zur kardialen Resynchronisationstherapie (Dreikammer-Schrittmacher; CRT-P), die als einzige für die Magnetresonanztomografie (MRT) sowohl mit 1,5 als auch mit 3 Tesla zugelassen sind. Das neue Implantat für das Herz kann jetzt noch effektiver Menschen helfen, die an chronischer Herzmuskelschwäche leiden. Bei dieser Erkrankung kann das Herz nicht mehr ausreichend Blut in den Kreislauf pumpen. Bei jedem dritten Betroffenen ziehen sich beide Herzhälften nicht mehr gleichzeitig zusammen – im EKG besteht ein sogenannter „Linksschenkelblock“. Der Dreikammer-Herzschrittmacher zur kardialen Resynchronisationstherapie kann nun die beiden Herzkammern wieder in Gleichklang bringen. Dazu sendet er Impulse an die Muskelzellen des Herzens aus und sorgt dafür, dass die Herzkammern synchron schlagen und die noch vorhandene, eigene Herzaktivität maximal wirksam ist. Und das innovative Gerät hat einen weiteren Vorteil: Dank seiner leicht gewölbten Form passt es sich perfekt an den Körper an. „Viele Patienten empfanden die Vorwölbung auf der Brust durch die bisherigen Implantate sehr störend. Dank der weichen, abgerundeten und flacheren Form sind die neuen Implantate kaum mehr sichtbar“, berichtet Timo Schlauch, Oberarzt der Medizinischen Klinik I am Klinikum Hanau.

Mit weniger Stimulation lebt das Herz länger

Das innovative CRT-P-Implantat sorgt dafür, dass die Herzmuskelzellen der linken Herzkammer unterstützende Impulse erhalten. Diese Impulse werden genau auf die eigene Herzaktivität abgestimmt. Da sich die Bedürfnisse des kranken Herzens, je nachdem, ob der Patient in Ruhe ist oder sich bewegt, unterscheiden, passt die adaptive CRT die Zeitgebung der Stimulation permanent an. Damit kombiniert das Implantat eine jederzeit angepasste Taktung des Herzens mit der restlichen Eigenaktivität des Herzens. „Mit adaptiver CRT lassen sich unnötige Stimulationen in der rechten Herzkammer vermeiden und der eigene Herzrhythmus bleibt so weit wie möglich bestehen. Vereinfacht gesagt: Ein so wenig wie möglich stimuliertes Herz lebt länger“, erläutert Chefarzt PD Dr. med. Christof Weinbrenner, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Nephrologie und internistische Intensivmedizin am Klinikum.

Auf diese neue Art der Stimulation sprechen nicht nur viel mehr Patienten mit Herzschwäche an, als auf die herkömmliche CRT, sie entlastet auch das Herz. Das Risiko für Vorhofflimmern - eine bedeutende Ursache für Schlaganfall und bei vielen Patienten mit Herzschwäche ausgeprägt - wird durch die neue Technik zusätzlich deutlich gesenkt. „Es freut mich, dass wir mit dem neuen Herzschrittmacher nicht nur mehr Patienten als bisher helfen können, sondern gleichzeitig auch die Lebensqualität der Betroffenen verbessern“, so Geschäftsführer Volkmar Bölke.

Herzschwäche ist weit verbreitet

CRT-P-Systeme werden zur Behandlung von Herzschwäche eingesetzt. Eine chronische Herzschwäche ist nicht so harmlos, wie sich ihr Name anhört. Die im Fachjargon als Herzinsuffizienz bezeichnete Erkrankung entwickelt sich langsam, meist als späte Ausprägung einer oder mehrerer Herz-Kreislauf-Störungen. Ein stark eingeschränkter Blutzufluss zum Herzmuskel (koronare Herzkrankheit), ein abgelaufener Herzinfarkt und/oder ein langjähriger Bluthochdruck sind in 80 Prozent aller Herzinsuffizienzfälle die Ursache. Deutschlandweit leiden schätzungsweise rund zwei bis drei Millionen Menschen an Herzinsuffizienz. Ihre Anzeichen sind Erschöpfung, schwere Atemnot selbst bei alltäglichen Tätigkeiten und Schwellungen an Füßen und Knöcheln. Bei der Herzinsuffizienz ziehen sich rechte und linke Herzkammer in vielen Fällen nicht mehr gleichzeitig zusammen, der Herzschlag wird ineffektiv. Unbehandelt liegt die Sterblichkeitsrate im ersten Jahr nach Diagnosestellung bei etwa 40 Prozent und innerhalb von fünf Jahren bei der Hälfte der Patienten. In der Todesursachenstatistik Deutschlands liegt die Herzinsuffizienz auf Platz drei noch vor den Krebserkrankungen.