Pressemeldung vom 4. Mai 2017

„Ohne Hebammen geht nichts“: Tatjana Nicin erzählt über den schönsten Beruf der Welt


Zum internationalen Hebammentag am 5. Mai beantwortet die Bereichsleiterin der Eltern-Kind-Station, Kreißsaal und der Elternschule am Klinikum Hanau die wichtigsten Fragen rund um die Aufgaben einer Hebamme

Seit 1991 wird der internationale Hebammentag am 5. Mai mittlerweile in 50 Ländern begangen, um die Berufsgruppe zu ehren und der Gesellschaft ihre Bedeutung klar zu machen. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Hebammen, Mütter und Familien: Partnerschaft fürs Leben!“. Auch am Klinikum Hanau spielt die Geburtshilfe eine zentrale Rolle: „Das Motto‚ ‘Sicherheit und Geborgenheit rund um Schwangerschaft und Geburt’ ist nicht nur Selbstverständlichkeit für unsere Klinik geworden, sondern auch eine wichtige Aufgabe in der Prävention für den gesunden Start in das Leben von unseren neuen Erdenbürgern und deren Familien“, so PD Dr. med. Thomas Müller, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Die leitende Hebamme am Klinikum Hanau, Tatjana Nicin, die seit über 30 Jahren in ihrem Beruf arbeitet, erzählt im Interview, was sie an ihrem Beruf so liebt, warum sie sich dafür entschieden hat, und weshalb eine Hebamme im Kreißsaal unverzichtbar ist.

1.     Wie lange sind Sie schon Hebamme? Wissen Sie, wie viele Geburten Sie schon begleitet haben?

Ich bin seit 1986 examinierte Hebamme, meinen Abschluss habe ich damals in Belgrad gemacht. Ich kann gar nicht genau sagen, wie viele Geburten ich schon begleitet habe, nach 1.500 habe ich aufgehört mitzuzählen. Es waren aber bestimmt schon mehrere Tausende. Obwohl ich jetzt schon über 30 Jahre in meinem Beruf arbeite, bin ich bei jeder Geburt emotional involviert, nehme immer neue Erfahrungen mit und habe Tränen in den Augen, weil wir als Hebamme an der Quelle des Lebens stehen und bei diesem kleinen Wunder helfen und unterstützen. 

2.     Warum sind Sie Hebamme geworden?

Der Beruf der Hebamme hat eigentlich mein ganzes Leben geprägt, mein Vater hat als Frauenarzt in Bosnien gearbeitet. Deshalb war der Kreißsaal für mich von klein auf ein gewohntes Umfeld und die Kraft, die die Hebammen bei ihrer Arbeit dort ausgestrahlt haben, hat mich schon immer begeistert. Sie stehen rund um die Uhr den werdenden Eltern mit Rat und Tat zur Seite und stellen unterbewusst die eigenen Bedürfnisse bei der Arbeit in den Hintergrund. Mit dieser Ausstrahlung spiegeln sie für die werdenden Mütter eine Stärke wider, die bei der Geburt unglaublich wertvoll ist. Genau das macht ihre Begleitung der Geburt, aber auch ihre Unterstützung bei der Vorbereitung und Nachsorge so wichtig. Deshalb habe ich großen Respekt vor allen Hebammen, aber ich will auch den Frauen Lust und Kraft geben, Kinder zu bekommen, das ist für mich das schönste auf der Welt.

3.     Inwiefern hat sich der Beruf der Hebamme verändert, seit Sie angefangen haben zu arbeiten?

Die Grundaufgaben der Hebamme haben sich eigentlich gar nicht verändert. Unser wichtigster Job ist es immer noch, die werdenden Eltern und die neugeborenen Kinder zu begleiten, zu unterstützen und zu helfen. Dafür stehen wir 24 Stunden, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr im Kreißsaal und setzen uns mit Begeisterung für das neue Leben ein. In Deutschland hat sich die Geburtshilfe in den letzten Jahren zentralisiert, damit ist deutlicher geworden, mit welchen Aufgaben eine Hebamme in den Kliniken betraut ist. Am Klinikum Hanau haben wir zum Beispiel die höchste deutsche Versorgungsstufe (Perinatalzentrum Level I), und sind damit insbesondere auf die Versorgung von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes, Mehrlings- und Frühgeburten spezialisiert. Der Beruf der Hebamme ist aber trotz allem im Wandel, so wird sich der Ausbildungsprozess beispielsweise verändern und akademisieren. Der Hebammenberuf wird als Studienfach an Fachhochschulen und Universitäten angeboten.

4.     Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am Klinikum Hanau besonders Spaß und was ist vielleicht eine besondere Herausforderung?

Ich arbeite ja mittlerweile nicht nur im Kreißsaal sondern gebe auch mein Wissen aus 30 Jahren als Hebamme an die jungen Kolleginnen weiter. Als Bereichsleitung wachse ich dabei auch an meinen Aufgaben und baue meine Führungskompetenzen aus. In Zusammenarbeit mit dem gesamten Team haben wir die Geburtshilfe am Klinikum Hanau qualitativ weiter ausgebaut und die physiologische Geburt gestärkt. Wir sind auf Risikoschwangerschaften und Frühgeburten spezialisiert und arbeiten in unserem ärztlich geleiteten Kreißsaal Schulter an Schulter mit den Ärzten. Dabei haben wir auf der Wochenbettstation unsere Arbeitsabläufe an die Bedürfnisse der Mütter und Kinder angepasst. Babys bleiben rund um die Uhr bei ihren Eltern und genießen so ungestört die ersten Lebensstunden. Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben.

5.   Was müsste sich für Sie ändern um den Beruf der Hebamme wieder attraktiver zu machen?

(lacht) Für mich ist der Beruf weiterhin sehr attraktiv und ich bin mir sicher, dass es vielen meiner Kolleginnen genauso geht. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn wir mehr Zeit für unsere werdenden Eltern hätten und weniger Zeit für Bürokratie aufwenden müssten. Bei uns am Klinikum wird sich intensiv bemüht, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dies ist für mich ein fließender Prozess.