Pressemeldung vom 3. Dezember 2014

Klein, sicher und schonend: die neue endoskopische Schere


Klein, sicher und schonend: die neue endoskopische Schere

Das Klinikum Hanau unterstreicht seine bundesweite Spitzenstellung in der Endoskopie: Für die Behandlung von Speiseröhren-Divertikel hat Chefarzt Privatdozent Dr. med. Axel Eickhoff jetzt eine innovative Behandlungsmethode etabliert, die es in Deutschland sonst nur noch an einer süddeutschen Klinik gibt: eine neuartige endoskopische Schere. Damit entwickelt sich die Klinik zu einem neuen Referenzzentrum für die Behandlung der so genannten Zenker-Divertikel. Für Patienten ist die Behandlung schonender als bisher.

Divertikel sind Ausstülpungen von Hohlorganen. Am bekanntesten sind wohl die Darmdivertikel. Aber es gibt sie auch – allerdings weniger häufig – in der Speiseröhre. Das Zenker-Divertikel, erläutert der Chefarzt der Klinik Gastroenterologie, Diabetologie und Infektiologie, Privatdozent Dr. Axel Eickhoff, befindet sich am Speisenröhreneingang. Sind die Ausbuchtungen noch klein, bleiben sie für die Betroffenen meist unauffällig und verursachen auch keine nennenswerten Beschwerden.

Divertikel entstehen auf der Basis einer Bindegewebsschwäche. Erreichen sie jedoch eine bestimmte Größe, führen sie beim Patienten zu massiven Schluckbeschwerden, weil das Divertikel den Eingang zur Speiseröhre blockiert und diesen zudrückt. Die Nahrung kann also nicht mehr oder nicht mehr ausreichend in die Speiseröhre gelangen. Neben Schluckbeschwerden, erläutert Chefarzt Dr. Eickhoff, erbrechen Patienten auch des Öfteren. Der Zustand der Patienten verschlechtert sich im Laufe der Zeit, sie werden krank und nehmen ab.

Viele Patienten haben einen jahrelangen Leidensweg hinter sich, weiß Dr. Axel Eickhoff. Und nicht wenige entwickeln eigene Strategien, um mit dem Problem fertig zu werden: Sie ernähren sich vor allem flüssig. Allerdings ist damit das Grundproblem nicht gelöst, auch weil sich der Gesamtzustand der Menschen mit einem Speiseröhrendivertikel so nicht verbessern lässt. Divertikel der Speiseröhre treten bei Männern und Frauen etwa gleich häufig auf; betroffen sind vor allem Menschen im höheren Lebensalter.

Bis vor einigen Jahren wurden Divertikel noch offen chirurgisch entfernt und im Prinzip weggeschnitten. Seit rund zehn Jahren hat sich aber die Endoskopie (ein biegsamer Schlauch, in den die chirurgischen Instrumente eingeführt werden) als therapeutisches Verfahren durchgesetzt. Das heißt, das Divertikel wird im Rahmen einer Spiegelung entfernt. Gegenüber dieser Methode weist die jetzt in Hanau eingeführte endoskopische Schere allerdings einige klarte Vorteile auf.

„Mit der Schere trennen wir das Divertikel praktisch von innen auf“, berichtet Chefarzt Dr. Eickhoff. Die Patienten profitieren beim Einsatz der Schere von einem viel feineren Schnitt als bisher und deutlich weniger Blutungen. Nachdem Divertikel in der Speiseröhre entfernt wurden, kommen sie üblicherweise in etwa 15 bis 20 Prozent zurück. Diese so genannte Rezidivrate soll mit der neuen endoskopischen Schere halbiert werden. Der Eingriff dauert etwa 20 Minuten, eine Narkose ist nicht notwendig. Die Patienten bleiben in der Regel zwei bis drei Tage stationär in der Klinik.

Aktuelle Fortschritte in der Medizintechnik haben diese Methode erst möglich gemacht. „Bislang waren endoskopische Scheren nicht klein genug“, erläutert Dr. Eickhoff, „denn das Endoskop hat einen Außendurchmesser von rund elf Millimetern und der Arbeitskanal von gerade mal 3,2 Millimetern.“ Seit dem Umzug der Zentralen Endoskopie in den Neubau des Klinikums Hanau Ende 2012, investiert die Medizinische Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Diabetologie umfassend in modernste Technik. So ist eine Abteilung entstanden, die Patienten in Behandlungsqualität und Ausstattung Leistungen bietet, wie es sie deutschlandweit in Kliniken nur äußerst selten gibt.