Neugeborenen-Vorsorge
In allen Bereichen der Medizin richten sich die Bestrebungen immer mehr darauf, Diagnoseverfahren zu entwickeln, die zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt Krankheiten erkennbar machen. Es gilt der Grundsatz, dass Erkrankungen je besser und erfolgreicher zu behandeln sind, desto früher sie entdeckt werden, d. h. bevor Symptome bzw. Beschwerden auftreten. Leider bedeuten Beschwerden oftmals, dass eine Erkrankung schon fortgeschritten und somit eine Heilung erschwert ist. Deshalb werden immer mehr Screening-Untersuchungen etabliert, d. h. routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen bei einer möglichst großen Anzahl von Menschen, die keine Hinweise für eine Erkrankung bieten. Insbesondere im Neugeborenen-Alter sind solche Screening-Untersuchungen sinnvoll, da nicht erkannte angeborene Erkrankungen zu Entwicklungsstörungen führen können, die durch spätere Therapien dann auch nicht mehr erfolgversprechend zu behandeln sind.
Stoffwechselscreening
Bereits seit mehr als 30 Jahren werden in Hessen jedem Neugeborenen in den ersten Lebenstagen nach der Geburt einige Tropfen Blut aus der Ferse abgenommen und auf folgende Stoffwechselerkrankungen untersucht:
- Hypothyreose (Störung der Schilddrüsenfunktion)
- Phenyl - Ketonurie (Störung in der Verwertung der Aminosäure Phenylalanin)
- Galaktosämie (Störung in der Verwertung des Milchzuckers Galaktose)
- Biotinidasemangel (Störung in der Verwertung des Vitamins Biotin)
Mit einer neuen Methode, der Tandem-Massenspektrometrie, kann seit Anfang 2002 die gleiche Blutmenge auf 15 weitere Störungen im Eiweiß- und Fettstoffwechsel untersucht werden. Durch dieses so genannte erweiterte Screening können pro 1.000 Neugeborenen zirka eins bis zwei angeborene Stoffwechselerkrankungen frühzeitig erkannt und in vielen Fällen schwere Entwicklungsstörungen verhindert werden.
Hörscreening
Jährlich werden in Deutschland zirka 700.000 Kinder geboren. Zwei bis vier von 1.000 Neugeborenen leiden unter einer Hörstörung. Die Reifung der menschlichen Hörbahn erfolgt im wesentlichen durch akustische Stimulationen in den ersten zwei Lebensjahren. Demzufolge besteht nur ein enges zeitliches Fenster, so dass nicht erkannte Hörstörungen zu Problemen in der Entwicklung zentraler spracherkennender und verarbeitender Strukturen führen können. Da durch eine frühzeitige Therapieeinleitung bis zum sechsten Lebensmonat lebenslange intellektuelle, emotionale und soziale Beeinträchtigungen vermieden werden können, ist die möglichst frühzeitige Diagnose einer Hörstörung für diese Kinder extrem wichtig.
Um eine möglichst große Zahl von Neugeborenen zu erfassen, ist es sinnvoll, diese Hörteste bereits in der Geburtsklinik in den ersten Lebenstagen (Klinikum Hanau: zweiter und dritter Lebenstag) durchzuführen. Bei Auffälligkeiten können somit frühzeitig weitere Untersuchungen und gegebenenfalls eine erforderliche Therapie eingeleitet werden.
Letzte Aktualisierung: 07. Oktober 2008
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Ein Neugeborenes aus dem Klinikum Hanau